Geschäftsmodell des Monats Juli: Mobile E-Tankstellen statt Netzausbau

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Die Elektromobilität stellt viele Unternehmen vor neue Herausforderungen. Insbesondere Netzbetreiber stehen vor der Fragestellung wie Sie Ihrer Kernaufgabe nachkommen und den zukünftig zu erwartenden zusätzlichen Netzlasten durch die notwendige Ladeinfrastruktur begegnen sollen. Das Start-Up Chargery zeigt mit einem mobilen Ansatz für Ladestationen eine Alternative zum Netzausbau für das Ladeinfrastruktur-Problem auf.

Was macht das Unternehmen?

Operative Unterstützung im Bereich Flottenmanagement von Elektrofahrzeugen mit einer Vielzahl von Services, u.a. mit mobilen E-Tankstellen

Das Berliner Unternehmen verfolgt seit August 2017 die Vision Lösungsansätze für ein gesamtheitliches Betreiben von elektrischen Flotten zu entwickeln. Mit Dienstleistungen rund um die Instandsetzung von elektrischen Flotten agieren Sie als operative Stütze für Unternehmen, die bspw. Sharing-Angebote von Elektromobilen in der Region platzieren. Das Unternehmen bietet ein vollumfassendes Leistungsportfolio, welches durch eigens entwickelte Software- und Hardware- bausteine unterstützt wird.

Durch eigens entwickelte mobile Ladestationen können die Berliner speziell bei verteilten Flotten im urbanen Raum einen Mehrwert leisten (bspw. Freefloating). Die mobilen Ladestationen sind als Fahrradanhänger konzipiert und bestehen aus elektrischen Speichern und einer Ladeinheit. Sog. Fahrradkuriere transportieren die mobilen Tankstellen an leergefahrene und teilweise entladene Elektrofahrzeuge und sind so in der Lage die Aufwände für die Instandsetzung dieser Fahrzeuge zu reduzieren. Im Weitesten Sinne funktioniert dieses Prinzip analog zu einer Powerbank für das Smartphone.

Die Ladeanhänger entwickelt von Chargery

Im Ansatz einer mobilen Tankstelle sehen wir einen interessanten Mehrwert für Netzbetreiber. Im weiteren Beitrag möchten wir insbesondere diesen Ansatz genauer beleuchten.

Auf welche Zielgruppen zielen mobile E-Tankstellen ab?

Betreiber von E-Fahrzeugflotten und Netzbetreiber

Grundsätzlich adressiert das Angebot von Chargery Car-Sharing Anbieter, die operative Tätigkeiten im Betrieb der Flotte auslagern möchten. E-Tankstellen können den Aufwand bei der Organisation der operativen Tätigkeiten im Bereich des Sharings von E-Fahrzeugen effizient unterstützen.

Konzepte für mobile E-Tankstellen sind darüber hinaus für Netzbetreiber relevant. Als Betreiber von Ladeinfrastrukturen und Verantwortliche für den Netzausbau, können diese Unternehmen mit Hilfe von einem solchen mobilen Ansatz einen Teil der Investitionen in den Netzausbau vermeiden oder Übergangslösungen definieren um Netzausbauinvestitionen flexibler zu planen.

Welche Vorteile birgt dieser Ansatz für Energieversorger?

Ausbau Wertschöpfung, neue Geschäftsmodellansätze, Flexibilität im Netzausbau und im Lademanagement

Ausbau Wertschöpfung

EVU können mit einem selbst ausgeprägten mobilen Ladekonzept Dienstleistungen für Sharing Anbieter in der Region platzieren und somit das Leistungsangebot im eigenen Portfolio vergrößern. EVU, die bereits eigene E-Sharing-Angebote ausgeprägt haben, können die operative Abwicklung des Sharings effizienter darstellen.

Neue Geschäftsmodellansätze

Eine mobile E-Tankstelle on-demand (bspw. bestellbar per Smartphone) bietet für EVU Chancen neue Produkte im nicht regulierten Bereich für Nutzer von E-Mobilität anzubieten. Die flexible Verfügbarkeit bietet einen Grundstein für innovative Ansätze. Denkbar sind z.B. Premium-Produkte für Endkunden, die keine Zeit für oder Lust auf die Suche nach freien Ladeparkplätzen haben. Zusätzlich ist eine Mobilitätsgarantie für E-PKW-Besitzer in der Region als Versicherung eine mögliche neue Produktausprägung.

Flexibilität im Netzausbau und im Lademanagement

Ein zeitlich und räumlich flexibler Ansatz wie eine mobile E-Tankstelle stellt insbesondere für Netzbetreiber in vielerlei Hinsicht eine interessante Lösung dar. Als Flexibilitätsmaßnahme (anstatt eines Netzausbaus) bietet ein solches Konzept folgende Vorteile:

  • Weniger kurzfristige Änderungen bei der langfristigen Kapazitätsplanung (z.B. Disposition von technischem Personal) bei Netzausbaumaßnahmen.
  • Zeitliche Flexibilität bei Netzverstärkungsmaßnahmen im Netzgebiet. Externe Rahmenbedingungen wie eine hohe Nachfrage nach Ladesäulen in Quartieren können durch mobile Tankstellen überbrückt werden, bis alternative Lösungswege vorliegen.
  • Temporäre Überbrückung von schwierig abzuschätzenden Entwicklungen bei ausgewählten Rahmenbedingungen wie Technologiereife von Ladetechnologien (Schnellladesysteme) und politischem Einfluss auf die Infrastruktur der Elektromobilität.
  • Zufriedenheit der Bürger und Kommune mit Blick auf Baumaßnahmen (Straßenumbau) im Stadtbild. Der Ansatz von temporären mobilen Ladestationen kann Netzbetreiber die Möglichkeit bieten die notwendigen Netzausbaumaßnahmen mit anderen fälligen Infrastrukturmodernisierungen (z.B. Glasfaserausbau) zu synchronisieren.

Welche Unternehmen positionieren sich rund um das mobile Laden?

Funktionale mobile E-Tankstellen sind aktuell bei vielen Unternehmen noch in der Testphase.

Laut aktuellen Medienberichten arbeitet der Volkswagenkonzern seit kürzlich an einer Lösung für eine mobile Schnellladesäule, um das eigene Elektromobilitätsangebot zu ergänzen. Des Weiteren gibt es diverse Start-Ups, die sich diesem Thema verschrieben haben. Jolt Energy und Clean Energy Pack verfolgen ähnliche Ansätze bei der Entkopplung der Lademöglichkeit von Elektromobilen vom eigentlichen Netzanschlusspunkt mit dem Fokus auf Wechselakkus an stationären Wechselstationen. Das Modell von Chargery differenziert sich von den Wettbewerben insbesondere darin, dass das mobile Laden nur ein Teil von einem gesamtheitlichen Serviceportfolio ist und durch den Transport der Tankstelle über das Fahrrad. Das Start-Up lädt bereits heute in Berlin mit Fahrradanhängern die Flotten von Share Now.

Was sind die Herausforderungen?

Ansatz im regulierten Bereich als Flexibilisierungsmaßnahme richtig argumentieren.

Ob der Ansatz eine mobile Tankstelle als temporäre Alternative zu Netzverstärkungsmaßnahmen anerkannt wird bleibt zu prüfen. Eine zentrale Herausforderung wird es sein die Lösung als entsprechend zu platzieren und die Tools und Bausteine als Netzbetreiber richtig als Flexibilisierungsmaßnahmen einzusetzen. Ob als Lösungsbaustein im regulierten Geschäft oder als Infrastrukturdienstleistung im nicht-reguliertem Bereich wird es Anwendungsfälle geben, die Mehrwerte für die betroffenen Unternehmen schaffen. Die Akzeptanz bei Bürgern und Kommune sehen wir als gegeben an – der Einsatz von innovativen Konzepten für das Vorantreiben der Mobilitätswende wird von den betroffenen Parteien mit Sicherheit gewürdigt werden.

Fazit K.GROUP & K.LAB

Wir sind der Meinung, dass das Tempo mit dem externe Rahmenbedingungen im Bereich Elektromobilität einen Netzausbau in der Region forcieren für die etablierten Netzbetreiber eine nennenswerte Herausforderung darstellt. Als innovative Maßnahme können mobile E-Tankstellen einen wertvollen Beitrag hin zu einem flexiblen Lademanagementkonzept leisten. Technisch gibt es somit eine Alternative zum Netzausbau. Herausfordernd ist die Integration der Technologie in die Regulatorik und in Geschäftsmodelle für EVU. In unseren Kundengesprächen merken wir oft, dass Netzbetreiber sich aktuell auf der Suche nach solchen Lösungsbausteinen befinden. Ob und wann sich der Ansatz mobiler Tankstellen lohnt und welche Bausteine noch dazu beitragen können den aktuellen Herausforderungen zu begegnen möchten wir gerne in Individualgesprächen gemeinsam in einzelnen Kunden herausfinden.

Adam Wolf
Innovationsmanager bei der K.LAB
Energie-Ingenieur mit Querdenker-Mind-Set. Experte für Design Thinking, Customer Experience und Geschäftsmodellentwicklung.

Links: https://chargery.de/

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