Geschäftsmodell des Monats Juni: Regionale (Elektro-)Mobilitätslösungen in einer Plattform

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Das woran in den Metropolen Europas die Mobilitätsdienstleister schon seit Jahren arbeiten, ist in kleineren Städten und auf dem Land oftmals noch nicht möglich: alternative Mobilitätsangebote in denen die Bürger in einer Lösung sowohl Auto, E-Car, E-Bike oder sogar den medienpräsenten Elektroroller über denselben Plattformansatz reservieren, bezahlen und nutzen können. Das Start-Up MOQO aus Aachen befähigt Stadtwerke eine solche Lösung in ihrer Region anzubieten.

Was macht das Unternehmen?

Andere Unternehmen innerhalb von vier Wochen befähigen ein Shared-E-Mobilitätsanbieter in der Region zu werden.

Das Start-Up hat die Vision über die MOQO Plattform, das größte Netz aus regionalen E-Mobilitäts-Sharing-Anbietern in Europa zu betreiben. So stellt MOQO die Werkzeuge (wie z.B. On-Board-Systeme, Software etc) für den Aufbau von fahrzeugunabhängigen Sharing-Kompetenzen bereit. Das Unternehmen hat die Lösungen so gestaltet, dass alle denkbaren Modelle aus dem Bereich Mobilitäts-Sharing umzusetzen sind. So können Unternehmen bspw. ihre eigenen Flotten Dritten zur Verfügung stellen, regionale Geschäftspartner mit eigenen Fortbewegungsmitteln einbinden und separate Fahrzeuge in einem Free-Floating-System in der Region zur Nutzung freigeben.

Das Konzept ermöglicht es Endnutzern in allen Gebieten in denen Unternehmen die Plattform anbieten auf die regional verfügbaren Fahrzeuge zurückzugreifen, da die Plattformen nicht exklusiv, sondern dem Netzwerkgedanken entsprechend ausgestaltet sind. Somit kann ein Nutzer, der in einem Ort in NRW eine MOQO-Sharing-Lösung nutzt, auch in Bayern in derselben App-Lösung Fahrzeuge mieten, wenn hier bspw. das EVU auch bereits die MOQO-Plattform im Einsatz hat.

Auf welche Zielgruppen zielt dieser Ansatz ab?

Regionale Akteure und Unternehmen, die in ihrer Region Carsharing Ansätze umsetzen möchten

Grundsätzlich adressiert das Angebot von MOQO jegliche Unternehmen und Institutionen, die Mobilität in der Region ermöglichen möchten. Dies können Kommunen, Stadtwerke, aber auch Autohäuser oder andere Unternehmen sein. So nutzt bspw. die Energieversorgung Limburg oder die Vonovia bereits die Plattform und Services von MOQO, um in ausgewählten Gebieten oder Orten ein Sharing zu ermöglichen.

Das Start-Up bietet ein SaaS-Model in verschiedenen Preisstufen an. Zu definieren ist der Umfang der Services (von der Integration einzelner Fahrzeuge bis hin zu deren Reinigung) und der Umfang des Brandings (Software, App und Fahrzeuge) bei den Endkunden.

Welche Vorteile birgt dieser Ansatz für Energieversorger?

Ganzheitlicher Ansatz für Effizienzvorteile und die Möglichkeit neue Kundenbeziehungen aufzubauen

Die Vorteile für EVU bei Umsetzung eines solchen Ansatzes kann man wie folgt zusammenfassen:

  • Effizienzvorsprung durch Integration vieler Einzellösungen
    • Viele EVU haben bereits ein Bike-Sharing oder eine Nutzung der eigenen Fahrzeugflotte durch Kunden umgesetzt. Durch einen ganzheitlichen Plattformansatz mit einheitlichen Abwicklungs- und Abrechnungswegen werden die modularen Einzellösungen überflüssig. Auch wenn zukünftig neue Mobilitätsinnovationen auf den Markt kommen, (wie am Beispiel des Elektrotretrollers zu sehen) ist das EVU gewappnet eine solche Form der Fortbewegung zu integrieren und unkompliziert in die bestehenden Prozesse zu fügen.
  • Neue Kundenbeziehungen
    • Alternative Mobilitätslösungen adressieren eine breitere Kundengruppe als das klassische Commodity-Geschäft von EVU. Das Kundenpotential ist nicht durch die Größe eines Haushalts beschränkt. Durch Sharing-Ansätze sind EVU in der Lage Geschäftsbeziehungen mit einer Vielzahl von Bürgern aufzubauen. Auch Stadtbesucher und Pendler können den Kundenstamm ergänzen. 
  • Hohe Kundenzufriedenheit
    • Ein ganzheitliches Plattformkonzept für Mobilitätssharing erlaubt es dem Kunden in einer Lösung verschiedene Formen der Mobilität wahrzunehmen. Somit hat der Kunde den Komfort mit einem Login in seiner Region von einem seriösen Anbieter sowohl ein Auto, ein Fahrrad oder einen Elektro-Tretroller auszuleihen.

Wer sind die Wettbewerber?

Lösungen am Markt sind oft spezifisch, der ganzheitliche Ansatz fehlt.

Sharing-Ansätze sind bereits seit einigen Jahren in Deutschland bekannt. Oftmals sieht man spezifische Lösungen für ein Fortbewegungsmittel. In Bezug auf den elektrischen Tretroller, positionieren sich Unternehmen wie Tier oder Lime mit ihrer spezifischen Lösung und bieten keine anderen Formen der Mobilität an. Solche Anbieter sind daran interessiert die Datenhoheit über die Kundendaten zu halten und bieten in der Regel keine SaaS-Modelle an.

Andere Unternehmen wie bspw. Flinkster oder Stattauto verfolgen in Deutschland bereits ähnliche Befähigungsstrategien für Städte und Regionen wie MOQO. Das Angebot von MOQO differenziert sich (laut Aussage des Gründers) durch die Flexibilität in der Fahrzeugauswahl wie bspw. den Elektro-Tretroller und im modularen Konzept in dem die Stadtwerke sowohl als Sharing-Anbieter, Betreiber einer Sharing-Plattform oder als Befähiger anderer Unternehmen in der Region auftreten kann.

Was sind die Herausforderungen?

Akzeptanz in der Region generieren

Herausforderungen liegen vor allem in der Herstellung von Akzeptanz und von Vertrauen in das Angebot bei Bürgern in der Region. Kunden stehen oftmals neuen Mobilitätsansätzen skeptisch gegenüber. Von bestehenden Angeboten (z.B. Share Now) aus den Großstädten sind sie es gewohnt eine hohe Servicequalität zu erhalten und sich auf die Abwicklungsprozesse verlassen zu können. MOQO unterstützt Stadtwerke in dieser Hinsicht umfänglich, um den Kundenanforderungen zu begegnen.

MOQO ist im kleinen Umfang auch selbst ein Mobilitätsanbieter in Aachen. In der Pascalstraße haben Sie einige Fahrzeuge selbst in einem Sharing-Ansatz freigegeben, um anhand ihrer Lösung alle Schritte der White-Label-Kunden hin zum Mobilitätsdienstleister am eigenen Leib zu erleben und somit den gesamten Abwicklungsprozess einfach umsetzbar zu gestalten.

Fazit Energiewerkbank

Externe Einflüsse als Chance nutzen um Geschäftsfeld zu erschließen oder auszubauen

Wir sind überzeugt, dass der elektrische Tretroller nicht die einzige Mobilitätsinnovation der nächsten Jahre bleiben wird. EVU können solche externen Einflüsse nutzen, um sich stärker mit den Bürgern der Stadt zu vernetzen und sich als Anbieter für elektrische Mobilitätskonzepte in der Region positionieren. Mit ganzheitlichen Plattformansätzen können sich EVU für zukünftige neue Formen der Mobilität vorbereiten und den Aufwand für die Einführung neuer Fortbewegungsmitteln minimieren. Elektromobilität ist aus unserer Sicht eine denkbare Option zur Erweiterung zum klassischen Commodity-Produkt Strom. Wir sind gespannt in welchen Regionen wir zukünftig auf elektrischen Tretrollern der regionalen Stadtwerke stehen werden.

Adam Wolf
Innovationsmanager bei der K.LAB
Energie-Ingenieur mit Querdenker-Mind-Set. Experte für Design Thinking, Customer Experience und Geschäftsmodellentwicklung.

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