Geschäftsmodell des Monats Mai: Endnutzerbediente Geräte netzdienlich in den Energiemarkt integrieren

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Mit Kaffeemaschinen, Kühlschränken und Backöfen das Netz stabilisieren? Das klingt zunächst nach einer verrückten Idee. Beachtet man aber, dass die Gesamtheit der Leistung dieser endnutzerbedienten Geräte alleine in den sechs größten Städten Deutschlands über 100 MW beträgt, so wird ein deutliches Potential sichtbar. Das Startup KOENA tec hat dieses heute noch ungenutzte Potential erkannt und daraus ein Geschäftsmodell gemacht.

Was macht das Unternehmen?

Vorhandenes Leistungspotential nutzen und Endnutzergeräte – wie Kaffeemaschinen – netzdienlich steuern.

KOENA tec ermöglicht es, endnutzerbediente Geräte mit einer Anschlussleistung von 5 – 20 kWel mittels loT-Technologien in den Energiemarkt zu integrieren. Dazu hat das Unternehmen eine Plattform zur netzdienlichen Steuerung sowie eine Steuerbox entwickelt. Aggregiert wird die Leistung von Geräten mit thermischen Speichern, das heißt mit Kaffeemaschinen, Kühlschränken und Backöfen aus dem Gewerbebereich.

Die Vision des Unternehmens ist es, einen Beitrag zur Versorgungssicherheit und zur Energiewende zu leisten, indem Frequenzschwankungen bei zunehmenden Ausbau erneuerbarer Energien stabil gehalten werden. Dabei hat das Unternehmen nicht nur den deutschen Markt im Blick, sondern seine Technik so entwickelt, dass diese weltweit kompatibel ist.

Ein Messeauftritt von KOENA tec mit einer steuerbaren Kaffeemaschine.

Auf welche Zielgruppen zielt dieser Ansatz ab?

Zusammenspiel aus Gerätehersteller, Übertragungsnetzbetreiber und Gastronomiebetrieben.

Zielgruppen der Lösung von KOENA tec sind auf der einen Seite Gerätehersteller, die die Hardware perspektivisch direkt in ihre Geräte einbauen, auf der anderen Seite Übertragungsnetzbetreiber, welche Flexibilität vermarkten. Zusätzlich ist der Flexibilitätenpool von KOENAtec auch für ein optimiertes Bilanzkreismanagement von EVU nutzbar.

Auf Endnutzerseite richtet sich das Unternehmen an Gastronomiebetriebe, die ihre Geräte mit entsprechender Hardware ausstatten und so Flexibilitäten bereitstellen können.  Gastronomiebetriebe nutzen dank dieser Lösung die Energie zu günstigeren Zeiten und können das netzdienliche Verhalten ihrer Geräte als schnell umsetzbaren Baustein in ihre Nachhaltigkeitsstrategie integrieren.

Welche Vorteile birgt dieser Ansatz für Energieversorger?

Schwankungen im Bilanzkreis ausgleichen und Geschäftskundenbeziehungen stärken.

Mit der KOENA tec–Lösung bekommen Energieversorger ein Werkzeug an die Hand, mit dem sie kurzfristige Schwankungen im Bilanzkreis ausgleichen können. Außerdem ermöglicht der Ansatz, perspektivisch flexible Tarife (zeit- oder frequenzabhängig) anzubieten.

Die Lösung kann darüber hinaus als Vertriebs- und Marketingansatz genutzt werden, um mit Geschäftskunden ins Gespräch zu kommen. Dabei ist sowohl eine White-Label-Vertriebskooperation mit KOENA tec denkbar als auch eine Beratungsleistung   zu Einsparpotentialen ihrer Geräte für Gastronomiebetriebe.

Wer sind die Wettbewerber?

Das Potential von endnutzerbedienten Geräten wird kaum von Wettbewerbern genutzt.

Das Prinzip, kleine Anlagen oder Geräte in einem virtuellen Kraftwerk zu poolen, diese netzdienlich zu steuern und deren Flexibilitäten zu vermarkten ist nicht neu und wird bereits mit Batteriespeichern oder E-Autos praktiziert.

Auf dem Markt der Endnutzergeräte besteht allerdings relativ wenig Konkurrenz. Die Firma ThermoVault aus den Niederlanden praktiziert zwar beispielsweise einen ähnlichen Ansatz mit Boilersystemen  – das Potential von Kaffeemaschinen, Kühlschränken oder Backöfen, die bereits in Betrieb sind, wurde allerdings noch von keinem anderen Unternehmen erkannt.

Was sind die Herausforderungen?

Die Nachfrage nach Flexibilitäten inklusive einer aufwandsgerechten Vergütung muss vorhanden sein.

Herausforderungen liegen vor allem in der Regulatorik und dem Marktmodell für Flexibilitäten. Eine zusätzliche Herausforderung stellen Unsicherheiten bei aktuellen technischen Entwicklungen im Markt dar – wie beispielsweise bei intelligenten Messsystemen (mit Blick auf die Steuerbarkeit von Endgeräten). 

Zudem spielt die Preisentwicklung des Regelenergiemarkts für das Geschäftsmodell eine große Rolle. Das Unternehmen ist zuversichtlich, dass mit dem stetigen Ausbau erneuerbarer Energien und andere Marktentwicklungen wie Elektromobilität, der Bedarf nach Flexibilitäten steigen wird.

Fazit Energiewerkbank

Visionärer Baustein für das Begegnen zukünftiger Herausforderungen in der Branche mit einem vielversprechenden Anknüpfungspunkt für Mehrwertdienste.

Das vorhandene Potential endnutzerbedienter Geräten als Baustein für den Ausgleich von Schwankungen im Netz zu nutzen, halten wir für einen zukunftsträchtigen Ansatz. Unabhängig vom Marktmodell wird die Fähigkeit, Netzschwankungen kurzfristig ausgleichen zu können (in Zeiten von zunehmenden Erneuerbaren Energien und Herausforderungen im Bereich Lademanagement von Elektromobilen) deutlich an Bedeutung gewinnen. Der Ansatz endnutzerbediente Geräte zu fokussieren, erlaubt EVU neue Geschäftsbeziehungen im B2B-Bereich aufzubauen und somit die Kundenbindung in der Region zu stärken. Wir sind gespannt zu beobachten, wann der Marktstart für das Start-Up in Deutschland erfolgen wird und damit auch, wann wir als K.Group mit unserer Kaffeemaschine einen Beitrag zur Energiewende leisten können.

Selina Groß: Die Innovationsmanagerin ist immer den neusten Technologietrends auf der Spur. Als Expertin für Geschäftsmodellentwicklung verliert Sie nie die Kundenperspektive aus den Augen.

Links: https://koena-tec.com/

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