RPA in der Praxis bei EVU

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In unserem Geschäftsmodell des Monats Januar haben wir über Robotic Process Automation (RPA) berichtet. Wie die beschriebenen Vorteile bei einzelnen Unternehmen der Energiewirtschaft bereits zu Buche schlagen, möchten wir in diesem kurzen Einblick in die Praxis berichten.

In Pilotprojekten im Rahmen des Trianel Digital Labs (einer Innovationsgemeinschaft von 40 EVU) haben sich die Stadtwerke Uelzen und die Stadtwerke Bonn genauer mit dem Thema beschäftigt, um die theoretischen Vorteile in der Praxis zu analysieren.

Das Ergebnis: Die Themenverantwortlichen Kristina Heß (Stadtwerke Uelzen) und Axel Kapellen (Stadtwerke Bonn) konnten die grundsätzliche Eignung von RPA für operative Prozesse mit sich wiederholenden Verarbeitungsschritten in unterschiedlichen Anwendungssystemen (Medienbrüchen) bestätigen.

Vorteile von RPA bei EVU

Kristina Heß analysierte die grundsätzliche Einsatzfähigkeit von RPA bei den Stadtwerken Uelzen. Dabei konnten folgende zentrale Aussagen herausgearbeitet werden:

  • Bei EVU existieren viele Prozesse mit einem nennenswerten Automatisierungspotential.
  • Einige Prozesse benötigen im ersten Schritt zunächst eine Prozessoptimierung (z.B. Standardisierung), die bereits vorzeigefähige Vorteile bewirken. Der Einsatz von RPA stellt hier ein Extremum der Prozessoptimierung dar.
  • Für den Einsatz von RPA-Software müssen erzielbare Prozesseinsparungen die Lizenzkosten rechtfertigen. Für einzelne EVU alleine können die Kosten der Implementierung von RPA Systemen zu hoch sein.

Axel Kapellen war bei den Stadtwerken Bonn involviert in die Pilotierung einer Softwarelösung zu RPA von UiPath. Diese wurde in einer Testumgebung der Produktivsysteme der SWB getestet. Anhand von realen Prozessabfolgen konnten die Vorteile des Einsatzes von RPA bei diversen Prozessen aus dem kaufmännischen operativen Massengeschäft bestätigt werden. Dabei konnten folgende zentrale Ergebnisse identifiziert werden:

  • Der Einsatz von RPA kann im Shared Service zur Entlastung führen, da die Teilautomatisierung auf hohe Akzeptanz bei den Mitarbeitern trifft. Die Chancen durch Reduzierung von repetitiver Arbeit werden erkannt.
  • RPA kann ein Baustein sein, um qualitativ hochwertige Arbeit herauszukristallisieren – im Idealbild sind die Mitarbeiter diejenigen, die Problem- und Fehlerfälle von automatisierten Prozessen prüfen.
  • Bei vorhandenem abzuarbeitenden Volumen und fehlenden Automatisierungsansätzen der Hauptsysteme (wie bspw. von SAP) ist der Einsatz von RPA-Tools gewinnbringend.

Fazit Energiewerkbank

Sowohl die Theorie als auch einzelne Praxisbeispiele können die Vorteilhaftigkeit von RPA bei EVU belegen. Bei vorhandenen Einsparpotentialen und bestehenden Standardisierungen von Prozessen sind die Argumente für einen Einsatz der Technologie bei EVU gegeben.

Grundsätzlich ist es eine Strategiefrage: Ist der Weg mit Teilautomatisierungen durch verschiedene unterschiedlichen Systeme mit Schnittstellen der richtige – oder ist die Fixierung auf ein Kernsystem, weitestgehend ohne Insellösungen, der beste Weg um aktuellen Herausforderungen zu begegnen?

Wir sind gespannt zu beobachten, welche Unternehmen sich in der kommenden Zeit mit RPA oder ähnlichen Automatisierungsthemen beschäftigen werden – und ob sich diese von diversen Studien als „Technologie mit Disruptionspotential“ bezeichnete Automatisierung in den IT-Systemen von EVU etablieren wird.

Adam Wolf
Innovationsmanager bei der K.LAB
Energie-Ingenieur mit Querdenker-Mind-Set. Experte für Design Thinking, Customer Experience und Geschäftsmodellentwicklung.

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