Digitaler Netzbetreiber – Chancen & Handlungsoptionen

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Um Herausforderungen im Netzbetrieb in Chancen umzuwandeln, lohnt sich ein Blick in Richtung Start-Ups oder etablierte, IT-nahe Anbieter. Einige von ihnen arbeiten an digitalen Tools, die die IT-Architektur flexibler gestalten lassen oder ein ganzheitliches Datenmanagement ermöglichen – oder bieten diese Tools bereits an. Wir stellen ihnen Handlungsoptionen sowie zwei interessante Player vor.

Der Netzbetrieb wandelt sich: Die Dezentralisierung der Energieerzeugung hat dazu geführt, dass sich seit 2010 in den Verteilnetzen mehr Erzeugungskapazität als in den Übertragungsnetzen befindet. Die Rolle der Verteilnetzbetreiber wird dadurch zukünftig stärker die eines Systemmanagers für den Aufbau intelligenter Netze sein. Und die Netzzustände sollen laut Prognosen immer dynamischer werden – die Herausforderung, einen stabilen und sicheren Netzbetrieb sicherzustellen, wird immer größer. Darüberhinaus gibt es einen steigenden Kosten- und Effizienzdruck durch das Regulierungsregime. Aber es gibt auch Chancen: Denn der Netzbetrieb kann flexibler gestaltet werden.

Chancen nutzen

Damit Netzbetreiber den verschiedenen Anforderungen gerecht werden können, ist eine konsequente Digitalisierung der Arbeitsweise und des Netzbetriebes unabdingbar geworden. Doch kein Netzbetreiber muss das Rad neu erfinden: Denn durch Start-Ups oder etablierte IT-nahe Anbieter sind auf dem Markt bereits Lösungen vorhanden, von denen sich profitieren lässt.

Die folgende Abbildung zeigt Ihnen interessante Anbieter von IT-Systemen zur Digitalisierung oder digitalen Unterstützung von Teilfunktionen dargestellt – aufgeschlüsselt nach den verschiedenen Geschäftsfunktionen.

Auswahl an Digitalisierungs-Enablern

Anforderungen

Verschiedene Systeme und Unternehmensfunktionen spielen nur optimal zusammen, wenn es eine unternehmensweit einheitliche IT-Strategie gibt. Während die Softwarelösungen der Geschäftsfunktionen den eigentlichen Netzbetrieb unterstützen, stellen die Unterstützungs- IT-Funktionen die Grundlage für einen sicheren und rechtlich abgesicherten Betrieb des Unternehmens und seiner IT-Systeme dar. Ausschlaggebend für die erfolgreiche Digitalisierung ist, dass Daten zwischen Systemen der verschiedenen Bereiche reibungslos übergeben und abgeglichen werden.

Für die Entwicklung einer zeitgemäßen IT-Strategie sind zwei Dinge ausschlaggebend: Die Einschätzung der Relevanz der einzelnen Funktionen für die Systemlandschaft der Informations- und Kommunikationstechnik (IKT) und die Einschätzung der Potenziale des technologischen Fortschritts.

Strategische Handlungsoptionen für Netzbetreiber sind – neben dem Aufbau einer flexiblen IT-Architektur und einem ganzheitlichen Datenmanagement – vor allem:

die Automatisierung von Prozessen
der Aufbau einer geeigneten Kommunikationsinfrastruktur sowie zielgruppenspezifische Vertriebssysteme.

Beispiel 1: Envelio

Envelio ist ein Beispiel für ein Start-up, das die digitale Transformation der Stromnetze durch Prozess-Automatisierungen vorantreiben will. Die Intelliget Grid Platform des Unternehmens adressiert vor allem die zunehmende Komplexität der Planung und des Betriebs von Verteilnetzen. Durch eine zunehmende Dezentralisierung der Energieerzeugung im Rahmen der Energiewende, vor allem durch das Einspeisen von Erneuerbaren Energien in regionale Netze, steigen die Anforderungen an die Bewirtschaftung der Stromverteilnetze. Die IT-Lösung von evelio schafft Transparenz über die zunehmen komplexen Prozesse in den Verteilnetzen. Durch eine Verknüpfung und Analyse von Netz- und Messdaten kann die Intelligent Grid Platform außerdem die Effizienz in Planungsprozessen sowie dem Asset Management durch automatisierte Handlungsempfehlungen steigern. Mehrere Netzbetreiber, wie die Netze BW GmbH, die BEW Netze GmbH und Rheinische NETZGesellschaft, nutzen durch die Software von envelio bereits die Chance, ihr Stromnetze automatisiert zu planen und zu bewirtschaften.

Mehr Information zu dieser Lösung finden Sie hier: http://envelio.de/

Beispiel 2: MicorStation von Bentley

Neben jungen Unternehmen stellen auch etablierte Anbieter wie Bentley zunehmend IT-Lösungen für Digitalisierung des Netzbetriebs bereit. Mit dem Produkt MicroStation bietet Bentley ein Tool zur Modellierung, Dokumentation und Visualisierung von Infrastrukturprojekten an. Die Software ermöglicht die Verknüpfung mehrerer Disziplinen und Sichtweisen durch die einfache Bereitstellung von datengesteuerten BIM-Modellen. Die Software lässt sich flexibel auf unternehmensspezifische Prozesse anpassen und ermöglicht dadurch einen optimierten Planungsprozess für Netzbetreiber.

Mehr Information zu dieser Software finden Sie hier: https://www.bentley.com/de/products/product-line/modeling-and-visualization-software/microstation

Handlungsempfehlung

Für die erfolgreiche Nutzung der dargestellten Chancen aus der Digitalisierung ist jedoch nicht nur die Auswahl der passenden Software notwendig. Vielmehr müssen auch Strukturen und eine Unternehmenskultur entwickelt werden, die eine erfolgreiche Digitalisierung und kontinuierliche Weiterentwicklung des Netzbetriebs zulassen. Zu den IT-seitigen Grundlagen gehört eine Datenstrategie, IT-Governance und Steuerung, genauso wie IT-Sicherheit, Datenschutz und ein Support-Service. Weitere Informationen zu erfolgreichen organisatorischen Grundlagen finden Sie hier in unserem Artikel: Was kann die Organisation vom iPhone lernen?

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Jana Helder

Autor: Jana Helder


Die Autorin interessiert sich besonders für moderne Managementformen in der Energiewirtschaft und Elektromobilität.

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Stefan Michaelis

Autor: Stefan Michaelis


Der Autor interessiert sich besonders für effiziente wie nachhaltige Organisationsentwicklung, agile Methoden und den Aufbau von Geschäftsmodellen und unternehmensübergreifenden Kooperationen.

Quellen zum Weiterlesen: https://www.vku.de/fileadmin/user_upload/Verbandsseite/Landingpages/Best_Practice_Digitalisierung/VKU_Broschuere-Digitalisierung_1_.pdf

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