Prototyping – das Multifunktionswerkzeug

Gepostet von

Ob Konzern oder Mittelstand – in den letzten Jahren arbeiten Intrapreneure vermehrt daran neue Geschäftsmodelle zu erschließen oder neue Produkte zu kreieren, um das eigene Unternehmen kurz- oder mittelfristig an Megatrends wie Digitalisierung, Industrie 4.0 oder Smart City teilnehmen zu lassen und perspektivisch nicht die Existenzberechtigung zu verlieren.

Meistert das betroffene Unternehmen bereits die Herausforderung einen geeigneten Innovationsprozess intern aufzusetzen, stehen Führungspersönlichkeiten und Entscheider schon bald vor einem zentralen Problem: Für welche Ideen gebe ich Budget frei? Wie kann ich einschätzen ob die mir vorgetragene Idee Potential hat? Woher weiß ich, dass dieser Ansatz sich nicht als Sackgasse erweist und ich somit unnötig Ressourcen verschwende?

Auch für die Produktentwicklungs- oder Innovationsteams stellt sich die zentrale Frage: Wie schaffen wir es die Vorgesetzten und Entscheider zu überzeugen, dass es sinnvoll ist die von mir / uns vorgeschlagene Idee weiterzuverfolgen?

Beide Blickwinkel (Entscheider und Produktentwickler) treffen in der Regel in einem gängigem Termin aufeinander: dem Pitch – ein etabliertes Format in Innovationsprozessen, das als Meilenstein und Entscheidungspunkt für das Fortführen einer Idee gilt. Präsentationen werden gebastelt, grobe Business Cases geschnürt, Annahmen getroffen und selbstverständlich wird zentral auf das zu lösende Kundenbedürfnis eingegangen. Schafft das Team es nicht zu überzeugen, so ist die Frustration auf beiden Seiten hoch und die Hürde groß sich einem neuen Thema zu widmen, bedingt durch die Angst vor dem erneuten Scheitern.

prototyp.jpg

Wir raten beiden Seiten: Überlasst in jedem Fall der Präsentation eines Prototypen zur Idee eine zentrale Rolle im Pitch. Im Folgenden wird erklärt, warum der Prototyp ein Erfolgsfaktor für das Gelingen der Zusammenarbeit zwischen Innovationsteam und Entscheider ist.

Aus Entwicklersicht: ein Kommunikationsmittel

Team

Der stereotypische Produktentwickler kennt den Ablauf und den damit verbundenen Stress vor Pitch-Situationen nur zu gut: Mit welchen Thesen und Aussagen, starte ich? Wie visualisiere ich in Power Point mein Konzept überzeugend? Wie vermittle ich den Entscheidern, dass der Ansatz eine Nachfrage bei den Nutzern generiert?

Aus eigener Erfahrung können wir auf diese Fragen nur antworten: Baue einen Prototypen und benutze diesen als Leitmotiv für die Präsentation. Selbstverständlich gibt es nicht die eine wahre Art des Prototypen. Wir sprechen hier über ein Plakat, ein Storyboard, Wireframes, Mock-Ups, etc. (in einem unserer nächsten Beiträge gehen wir genauer auf die verschiedenen Arten von Prototypen ein). Lebt das Produktentwicklungsteam ohnehin einen kundenzentrierten Innovationsprozess, so ist das Prototyping ein zentraler Bestandteil des Vorgehens.

Der Einsatz des Prototyps in einem Pitch ändert die Perspektive und die Entscheidungsgrundlage. Das Team kann die Präsentation so gestalten, dass es nicht selbst für das Konzept werben muss und sich Argumentationsketten für eine Idee überlegen muss, sondern die Entscheider direkt mit Kundenaussagen und -meinungen konfrontiert werden. Durch folgende Aussagen lässt sich diese Situation herbeiführen:

  1. Wir haben angenommen, unsere Zielgruppe hat folgendes Problem / Bedürfnis 
  2. Daraufhin haben wir uns diese Lösung überlegt (Prototypen vorführen / zeigen / präsentieren)
  3. XX (Anzahl) von unseren YY (Anzahl) interviewten Zielpersonen finden diese Lösung interessant. ZZ (Anzahl) haben sich für ein erstes kostenpflichtiges Release des Produktes vorangemeldet.

Aus Entscheidersicht: der Kunde ist König

entscheider

Ist man als Entscheider schon heute in der Situation Geschäftsmodellideen der eigenen Mitarbeiter zu bewerten, so ist das eigene Unternehmen bereits auf einem guten Weg der Wandlungsfähigkeit. Im eigentlichen Moment der Bewertung der vorgetragenen Präsentationen verfällt man aber gerne in alte nicht mehr ganz zeitgemäße Muster: Glaube ich selbst an die vorgestellte Lösung? Würde ich selbst diesen Service nutzen? Ist eine weitere Produktentwicklung mir finanziell nicht zu riskant?

Aus eigener Erfahrung können wir Folgendes raten: Facts & Figures zu einem Prototyp werden nicht alle Zweifel von Entscheidern zerstreuen und auch nicht alle Fragen beantworten können. Doch ein Prototyp und die Zahlen zur Kundennachfrage nach genau diesem Produkt erleichtern die Entscheidung ungemein. Sind die og. Schritte Teil des Produktpitches, so kann ich als Entscheider leichter die Perspektive wechseln – und was kann mir als Unternehmen besseres passieren, wie bereits vorangemeldete, zahlende Kunden zu einem noch zu entwickelndem Produkt?

Fazit der Energiewerkbank

Sicherlich werden Produktentwicklungsteams nicht von Heute auf Morgen auf bessere Ideen und Ansätze kommen, wenn sie anfangen sich auf Prototypen zu verlassen. Auch kann ein Prototyp nicht alle Fragen, die im Laufe eines Innovationsprozesses auftreten beantworten. Wir sehen Prototypen vor Allem als Kommunikationswerkzeug und ermutigen alle diese auch zu diesem Zweck einzusetzen.

Wann hat ein Prototyp Ihnen schon einmal aus aus einer kniffligen Situation geholfen? Schreiben Sie uns gerne!

Adam

Autor: Adam Wolf
Innovationsmanager bei der K.LAB
Energie-Ingenieur mit Querdenker-Mind-Set. Experte für Design Thinking, Customer Experience und Geschäftsmodellentwicklung.

Ein Kommentar

Kommentar verfassen