Geschäftsmodell des Monats Oktober: Digitalisierungsdienstleistung für Städte und Kommunen

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am Beispiel von Citymatica

Das 2011 gegründete Israelische Start-Up Citymatica bietet mit Ihrer Plattformlösung einen Ansatz, die Kommunikation zwischen Verwaltungen und Bürgern digital zu zentralisieren- und so Mehrwerte sowohl für Bürger als auch für Verwaltungen zu generieren.

citymatica-01Was macht Citymatica?

Über die Plattform können Bürger auf personalisierte Informationen über Dienste, städtische Aktivitäten und z.B. Sensorik von installierten Smart City Applikationen zugreifen und haben so eine zentrale Instanz für den Abruf von kommunal relevanten Informationen. So hat ein Bürger die Möglichkeit technische Informationen zur Stadt wie bspw. Luftqualität oder Neuigkeiten zu Veranstaltungen oder Verkehrswarnungen abzurufen. Darüber hinaus kann er selbst Anmerkungen und Wünsche an den Plattformbetreiber (in den meisten Fällen die Stadtverwaltung) äußern, lokale Umfragen erstellen, an diesen teilnehmen und an Abstimmungen partizipieren. Ein typischer Anwendungsfall ist das melden defekter Straßenlaternen per Knopfdruck mit Hilfe des Standortes. Für Stadtverwaltungen bietet solch eine Plattform die Möglichkeit Prozesse zu zentralisieren und einzelne Prozessabläufe zu definieren, so dass die bidirektionale Kommunikation mit den Bürgern in einem zentralen System zusammenläuft.

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Wer sind die Zielgruppen?

Der Plattformansatz fokussiert Organisationen und Einrichtungen mit Öffentlichkeitsaufgaben und Versorgungsaufträgen. Darüber hinaus lassen sich Anwendungsfälle aus dem Bereich Smart City auf der Plattform darstellen (z.B. Mobilitätsverfügbarkeit, Umweltsensorik oder Warnsysteme). Somit kann der Kreis potenzieller Zielgruppen auf jegliche Unternehmen erweitert werden, die einen einheitlichen technischen oder verwaltenden Kontakt mit Bürgern anstreben.

Wie wird ein Geschäftsmodell für EVU aus dem Citymatica-Ansatz?

Citymatica zeigt, dass Städte und Kommunen weltweit offen sind solche Lösungen für die Kommunikation mit Bürgern anzunehmen, da für diese selbst auch ein Mehrwert bei dem Angebot solcher Plattformen besteht: Übersicht, Steuerung, Planung, etc.

Durch die guten Beziehungen von Stadtwerken bzw. EVU zu Bürgern und auch Kommunen liegt das Geschäftsmodell darin, beiden Parteien und auch Dritten eine Plattform zu bieten, in der Informationen, Leistungen und Lösungen ausgetauscht werden. Dies fängt bei der Vereinfachung von Verwaltungsaufgaben an, umfasst aber auch zukünftig die Integration von Sensorik und Messtechnik, um die Stadt als digitales urbanes Ökosystem zu unterstützen.

Solch ein Ansatz zahlt auf folgende drei Aspekte ein:

  • Präsenz: Durch die Dienstleistung für sowohl Stadtverwaltung als auch Bürger steigert der Energieversorger seine Präsenz in der Region und wird vermehrt als Vernetzungs-Dienstleister wahrgenommen.
  • Kundenbindung: Durch bspw. Bonussysteme in der Plattform für die Nutzer (Belohnung für das Nutzen spezifischer Funktionen), kann der Energieversorger den Kunden Vorteile für bestimmte Produkte und Leistungen aus dem eigenen Portfolio bieten.
  • Erlöspotenzial: Die Dienstleistung für sowohl Stadt als auch Bürger kann vergütet werden (Lizenz für die Nutzung der Plattform). Darüber hinaus besitzt der Energieversorger durch einen solchen Plattformgedanken eine digitale Schnittstelle zu sowohl Stadt als auch Bürgern und somit eine sehr gute Ausgangsposition um an zukünftigen von Erlösen von Smart City Produkten und Dienstleistungen zu partizipieren.

Was ist die Vision des Geschäftsmodellansatzes?

Die Verbesserung des Stadtlebens. Ziel ist es, das Stadtleben sowohl aus Bürgersicht, als auch aus Verwaltungssicht in einem System übersichtlich und verständlich abzubilden. Durch definierbare Informations- und Prozessketten können zukünftig relevante Akteure (z.B. Straßenkehrer, Müllentsorgung, öffentliche Verkehrsdienste, etc.) gezielt die Informationen erhalten, die sie aus der Bürger- und Stadtkommunikation benötigen, um die Erledigung ihrer Aufgaben zu optimieren.

Was sagt das Innovationsbarometer?

barometer

In welchem Stadium befindet sich das Produkt von Citymatica?

Die Lösung ist bereits in vielen Städten (fokussiert in Asien und Südamerika) im Einsatz. Laut Citymatica ist jede Stadt ähnlich, aber in den einzelnen Individualisierungswünschen jedoch verschieden. So können einige Bürger in Indien bspw. per Knopfdruck in der App und ihren Standort die Feuerwehr verständigen, auf den Philippinen greifen Bürger bereits auf Informationen über die Luftqualität (erfasst durch Sensoren in der Stadt) zurück. Die Lizenz für bspw. Stadtverwaltungen kostet je nach Anzahl der adressierten Bürger 15.000 – 35.000 $ im Jahr. Zusätzlich sammeln Bürger durch Nutzung der Plattform sog. City-Coins (angelehnt an Bitcoins) und können diese im Rahmen eines Bonus-Programms eintauschen. Zusätzliche Einnahmen kann über das Schalten von Werbung generiert werden.

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Wer sind die Wettbewerber?

In erster Linie steht eine Informations- und Kommunikationsplattform zwischen Stadt und Bürger in Konkurrenz zu bestehen Stadtportalen und Stadtwebseiten. Auch Stadtwerke in Deutschland positionieren sich vereinzelt mit einem ähnlichen Plattformansatz: z.B: Stadtwerkzeug der Stadtwerke Düsseldorf oder DIPKO von den Energieforen.

Die Plattform von Citymatica zeichnet ein modularer Aufbau und die Möglichkeit individuelle Inhalte für den Nutzer anzuzeigen aus. So kann die Stadtverwaltung selbst die Lösung nutzen, um bspw. einen Überblick über die Stadtaktivitäten zu erhalten und gezielt auf stadtspezifische Anfragen zu reagieren. Auch der Bürger kann die Anwendung passend für seinen individuellen Anwendungsfall konfigurieren und somit die Lösung auf seine Bedürfnisse zuschneiden.

Was sind die Herausforderungen des Geschäftsmodellansatzes?

Zentrale Herausforderung des Plattformgedankens sowohl für Stadt als auch für Bürger ist das Management verschiedener Parteien bei der Implementierung und die Akzeptanz der Bürger. Weiterhin stellen komplexe regularische Anforderungen (z.B. BaFin) an den Betrieb von Bonus-Programmen oder Bezahldiensten hohe Herausforderungen dar.

Einschätzung K.Group / K.LAB:

Die Entwicklung im Bereich Smart Home hat gezeigt, dass sich viele vereinzelte proprietäre Systeme in einem technischen Umfeld mit unterschiedlichen Anbietern nicht durchsetzen. Die Endnutzer streben nach einfachen zentralisierten Lösungen (z.B. Amazon Alexa), um sich nicht mit mehreren Lösungen diverser Anbieter gleichzeitig beschäftigen zu müssen. Zieht man zwischen Smart Home und Smart City eine Analogie, so werden sich auch im Bereich Smart City Plattformlösungen durchsetzen, die zentralisiert mehrere Dienste, Informationen, Prozesse, etc. abbilden können.

Ein EVU oder Stadtwerk ist sowohl in Bürgeraugen als auch in kommunalen Augen ein vertrauensvoller technischer Dienstleister, was sie in unseren Augen als Dienstleister für regionale Plattformlösungen qualifiziert. Tatsache ist, dass Stadtwerke durch den vorhandenen Kundenzugang eine starke regionale Position besitzen. Diese kann durch zentrale kommunale Informationen und bspw. Dienstleistungen aus dem Bereich eGovernment (Antragsstellung, Meldebescheinigung, …) angereichert werden.

Durch die Vielzahl an Anbietern möglicher Smart City Lösungen wird es großen Technologieunternehmen in Zukunft zunehmend schwerfallen, die zentrale Schnittstelle für Smart-City-Anwendungen im Stadtgebiet auszuprägen. Ziel muss es aus unserer Sicht sein, diese Standards als Stadtwerk oder EVU für die Region mitzugestalten

Adam

 

Autor: Adam Wolf
Innovationsmanager bei der K.LAB
Energie-Ingenieur mit Querdenker-Mind-Set. Experte für Design Thinking, Customer Experience und Geschäftsmodellentwicklung.

 

Links:

https://citymatica.com/

 

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