Geschäftsmodell des Monats August: NachbarStrom

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Das 2018 gegründete Start-Up NachbarStrom hat es sich zum Ziel gemacht die dezentrale Energieversorgung voranzubringen. Das Gründerteam aus fünf Studenten der TU München ermöglicht über eine KI-basierte Dach-Erkennungs-Software das Abschätzen des PV-Potentials von Dachflächen. Die Software analysiert auf Basis von Satellitenbildern und lokalen Wetterdaten in wenigen Augenblicken das Solar-Potenzial und errechnet auf dieser Grundlage die jährlich möglichen energetischen Einsparungen von Gebäuden.

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Wer sind die Zielgruppen?

Die drei Zielgruppen im Fokus des Start-Ups sind

  • Anbieter von Solaranlagen: Über das Tool von NachbarStrom können Anbieter von Solaranlagen ihren Online-Vertrieb optimieren und effizienter und schneller auf Anfragen reagieren.
  • Energieversorger: Mit Hilfe der Software von NachbarStrom können Energieversorger ihren Kunden einen einfachen Übergang zu dezentralen Solarenergie-Lösungen bereitstellen.
  • Anbieter von Batterietechnik: Die Software von NachbarStrom ermöglicht ein einfaches Auffinden von Haushalten und öffentlichen bzw. industriellen Gebäuden mit hohem Solarpotenzial. Dadurch können Anbieter von Energiespeichern gezielt mögliche Kunden ansprechen.

Was ist die Vision?

Die Software-Lösung von NachbarStrom macht die Planung und Nutzenabschätzung von Solaranlagen einfach und nutzerfreundlich. Mit nur einem Klick kann das PV-Potenzial von Dachflächen abgeschätzt werden. Dadurch wird die Effizienz aus Kundensicht stark verbessert. Statt einem Beratungsgespräch mit Angaben von Kundenseite, bietet NachbarStrom eine One-Click-Lösung. Außerdem können alleine über die Nutzung von Satellitenbildern und Wetterdaten mögliche Kunden für Solaranlagen oder Speichertechnologien identifiziert werden. Durch eine zunehmend flächendeckende Verbreitung von Solaranlagen erhofft sich NachbarStrom nicht nur die Förderung von regenerativen Energien, sondern auch eine Verkürzung der Transportwege, eine weitere Effizienzsteigerung und eine signifikante Kosteneinsparungen im Vertrersparnis in der Energiewirtschaft.

In welchem Stadium befindet sich das Geschäftsmodell?

Die Geschäftsidee von NachbarStrom wurde Anfang diesen Jahres im Rahmen des Programms Think.Make.Start. der UnternehmerTUM ausgearbeitet und mit Experten diskutiert. Kurz darauf wurde das in München ansässige Start-Up gegründet. Aktuell arbeitet das Team an der Validierung ihres Geschäftsmodells. Dazu wird das Modell momentan durch Testkunden erprobt. Derzeit ist das junge Unternehmen vor allem auf Suche nach Business Angels aus den Bereichen Photovoltaik und nach interessierten Unternehmen zur Pilotierung der Software auf ihrer Website.

NachbarStromCanvas
Schematische Darstellung des Geschäftsmodells als BMC (Business Model Canvas)

Wer sind die Wettbewerber?

Bisher erfolgt die Abschätzung von PV-Potenzial weitgehend ohne Softwareunterstützung, entweder durch Experten oder über Kundenfragebögen. Kunden müssen dabei beispielsweise Daten bezüglich ihrer Dachfläche, der Dachneigung oder Schatteneinfall bereitstellen. Diese Daten sind für die Interessenten nicht immer einfach zugänglich. Die Software von NachbarStrom schafft eine Effizienzsteigerung und Vereinheitlichung dieses Prozesses. Mögliche Kunden können schnell und ohne das Eingeben von Daten das PV-Potenzial ihrer Dachfläche abschätzen. Für Experten kann das Tool eine Vorabschätzung darstellen und somit den Arbeitsaufwand signifikant reduzieren und Kosten einsparen. Ähnliche Vorteile bietet das Google-Tool Sunroof. Dieses ist bisher nur in einigen US-amerikanischen Gebieten verfügbar oder in Teilbereichen von deutschen Ballungszentren (z.B. durch E.ON in München).

NachbarStrom differenziert sich über ein deutschlandweites Angebot für eine nahtlose Integration eines solchen Softwarebausteines in bestehende Webseiten.

Welchen Nutzen bietet eine Kooperation? Was sind spezifische Anwendungsfälle?

Eine Nutzung der KI-basierten Software ermöglicht einen schnellen, effizienten und kundenfreundlichen Umgang mit Interessenten von Solaranlagen. Außerdem kann unter Einsatz des Tools gezielt auf Haushalte, Unternehmen und Institutionen zugegangen werden, die eine hohes PV-Potenzial aufweisen. Das Einsparungspotenzial dieser möglichen Kunden kann direkt berechnet werden und so kann schon im ersten Kundenkontakt ein individuelles Angebot bereitgestellt werden. Die nahtlose Integration des Tools in bestehende Webseiten ermöglicht ein einheitliches und ganzheitliches Auftreten gegenüber dem Kunden. Die Integration erfolgt über eine Web-Anbindung.

Eine Einbindung ermöglicht eine Effizienzsteigerung im Vertrieb von EDL-Produkten, einen modernen Onlineauftritt und senkt gleichzeitig die Hemmschwelle der Kunden, da die Hürden der ersten individuellen Beratung drastisch gesenkt werden.

Weitere Anwendungsfälle werden mit Partnern gemeinsam in der aktuellen Pilotphase erprobt und spezifiziert.

Was sind die Herausforderungen?

Zentrale Herausforderung wird es sein (wie häufig bei KI-basierten Lösungen) Vertrauen in die Ergebnisse der Lösung zu schaffen. Über Nutzer-Feedback, zum Beispiel zur nutzbaren Dachfläche, lernt der KI-basierte Algorithmus mit steigenden Anwenderzahlen immer genauere und im ersten Schritt schon verlässlichere Aussagen zu treffen. Somit gilt es schnell den Datensatz weiterzuentwickeln, um die Genauigkeit und somit die Nutzerfreundlichkeit zu steigern.

Einschätzung K.GROUP / K.LAB:

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Das schnelle und möglichst automatisierte Bearbeiten von Nutzeranfragen und individuelles Marketing gewinnen mit der zunehmenden Digitalisierung und der steigenden Internetnutzung stetig an Relevanz. NachbarStrom bietet ein Tool an, welches diese Prozesse im Bereich des Solaranlagenaufbaus effizient unterstützt. Der selbstlernende Algorithmus ermöglicht es schnell und kostengünstig Abschätzungen zu treffen. Das Start-Up NachbarStrom befindet sich aktuell noch in einer frühen Phase der Geschäftsmodell- und Produktvalidierung. Schafft es das Unternehmen die richtigen Partner zu finden und dadurch den Algorithmus zeitnah mit entsprechende Datenmengen zu trainieren, hat das Tool großes Potenzial die Digitalisierung im Bereich PV-Anlagen einen wichtigen Schritt nach vorne zu bringen und den Vertriebsprozess in einer der Hauptsäule der Energiedienstleistungen signifikant zu unterstützen.

 

Autor: Jana HelderBild1
Die Autorin interessiert sich besonders für moderne Managementformen in der Energiewirtschaft und Elektromobilität.

 

https://www.nachbarstrom.eu/

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