Geschäftsmodell des Monats Mai: Unified Inbox

Gepostet von

Mit der UnificationEngine hat das Start-Up UnifiedInbox eine Software für die Interaktion zwischen Mensch und Maschine entwickelt. Über Chat-Anwendungen können die Nutzer ihre smarten Geräte per Text- oder Sprachnachricht steuern. Dabei stehen ihnen 20 verschiedene Kommunikationskanäle zur Verfügung. Der hauseigene intelligente Kühlschrank kann somit beispielsweise über WhatsApp vom Supermarkt aus angeschrieben und befragt werden, wie viel Milch noch vorrätig ist. Innerhalb weniger Sekunden sendet der Kühlschrank ein Foto des Kühlschrankinhaltes im Chat zurück. Über den gleichen Telefonkontakt, könnte der Nutzer seine Kaffeemaschine, Waschmaschine oder Alarmanlage bedienen. Grundvoraussetzung ist, dass die Geräte intelligent – also internetfähig – sind und über die UnificationEngine registriert wurden.

logo

Was sagt das Innovationsbarometer?

Innovationsbarometer

Was ist die Vision?

“Simply communicate” ist der Slogan des Unternehmens. UnifiedInbox möchte es Menschen ermöglichen über einen einzigen Kontakt im Smartphone verschiedenste Geräte zu bedienen. Möglichst unkompliziert soll dieser smarte Kontakt den Nutzer in allen Lebenssituationen wie ein guter Freund und Helfer unterstützen.

Um diese intelligente Mensch-Maschine-Kommunikation zu ermöglichen, greift UnifiedInbox auf vorhandene Technologien zur Sprach- und Texterkennung, wie beispielsweise IBM Watson zurück. Das Entwicklerteam des Start-Ups kombiniert die Technologien miteinander und trainiert das intelligente System so, dass die Kommunikation zwischen Gerät und Nutzer reibungslos funktioniert.

UI_how
Konzeptionelle Verdeutlichung der UnivicationEngine

Wer sind die Wettbewerber? Wie unterscheidet sich das Unternehmen?

Der stärkste Konkurrent ist Alexa von Amazon, ein Haushaltsgehilfe, der über die Sprache gesteuert wird. Während dieser aber vor Ort genutzt wird, erlaubt es UnifiedInbox mit seiner Lösung unterwegs zu kommunizieren. In Situationen, in denen Sprachsteuerung nicht möglich ist, kann die UnificationEngine per Textnachricht bedient werden. Zudem bleiben die Nutzerdaten mit Alexa in der Amazon Cloud gespeichert, bei UnifiedInbox in der des Geräteherstellers.

Ein weiterer Wettbewerber ist If this then that (IFTTT), ein Internetdienst welcher Websites, Apps und Gadgets so miteinander verknüpft, dass bei bestimmten Ereignissen eine gewisse Aktion eintritt. Beispielsweise kann der Nutzer hier seinen Standort des Smartphones mit der intelligenten Lichtanlage des Hauses verbinden, welche ausgeht sobald das Haus verlassen wird. Auch LG hat mit seinem LG Homechat eine ähnliche Lösung geschaffen – allerdings ist diese nicht geräteunabhängig, sondern speziell für LG Geräte.

Wer sind die Zielgruppen?

UnifiedInbox fokussiert sich auf die Zusammenarbeit mit Gerätehestellern. Größter Kunde ist derzeit die BOSCH GmbH. Weitere Zielgruppen im B2B-Bereich sind Städte und Kommunen. So wird die Besucherinformation und Kommunikation der Remstal Gartenschau komplett über die Lösung von UnifiedInbox abgewickelt. Mit Blick auf den Endkunden richtet sich die Lösung an Menschen, die digital vernetzt sind und sich für neue intelligente Geräte interessieren.

Was sind die Herausforderungen?

Die größte Herausforderung ist es, Unternehmen davon zu überzeugen, dass aus Sicht des Start-Ups nicht Smart Speaker wie Alexa, Siri und Cortana die optimalen Lösungen für den Endkonsumenten sind, sondern vielmehr ein mobiler, flexibler sprach- und textbasierter Chatkanal. Viele Gerätehersteller haben sich bereits auf die Kompatibilität mit den Smart Speakern eingestellt. Laut UnifiedInbox besteht für die Hersteller so aber die Gefahr, dass die Gerätedaten in Zukunft bei Amazon und nicht beim jeweiligen Unternehmen liegen. Oft sind das sensible Daten die Rückschlüsse auf Kundenbedürfnisse und mögliche Produktverbesserungen erlauben.

Wie sieht das Geschäftsmodell aus?

BMC_UI.png
Zusammenfassende Darstellung des Geschäftsmodells in einem BMC

In welchem Stadium befindet sich das Geschäftsmodell?

Das Unternehmen hat die Phase der Technologie-Validierung abgeschlossen und möchte nun weiter wachsen, um sein internationales Geschäft weiter auszubauen. Demnächst soll eine Fundraising-Phase gestartet werden, um einen umfänglichen Ausbau der Unternehmensinfrastruktur zu fördern.

Nutzen einer Kooperation

Die Übertragung des Kommunikationsprinzips „ein digitaler Kommunikationskanal – ausgesucht durch den Endkunden“ auf Anwendungsfälle über den Smart-Home-Bereich hinaus, ist in Bezug auf die Energiewirtschaft in mehreren Bereichen denkbar. Beispielsweise könnten Zählerstände über einen beliebigen Kommunikationskanal kommuniziert werden oder der Endkunde kann die Sichtprüfung von verbauten Rauchwarnmeldern per Foto an das EVU senden. Weitere Kooperationsmöglichkeiten bieten sich im Kundenservice zur schnellen und personalisieren Beantwortung von Kundenanfragen bis hin zum Aufbau eines digitalen Bürgerbüros.

Das Start-Up ist offen für das Erarbeiten von Anwendungsfällen und Piloten gemeinsam mit Unternehmen aus der Energieversorgungsbranche.

Einschätzung Energiewerkbank:

Die Idee über einen, durch den Kunden gewählten Kommunikationskanal verschiedenste Anliegen in Schrift und Sprache zu managen ist ein nutzerorientierter Ansatz, der ein Downloaden und Bedienen verschiedener proprietärer Apps und Lösungen erübrigt. Das Smartphone, welches jeder Endkunde fast immer bei sich trägt, ist als mobile Fernsteuerung für vielzählige Anliegen gut geeignet. Erfolgsentscheidend wird, wie bei allen KI-Anwendungen, der Grad an Datentrainings sein, der die Lösung robust gegenüber komplexen Anfragen aufstellt. Eine Kooperation mit dem Unternehmen befähigt Energieversorger in der Kundenkommunikation zu einem modernen Auftritt. Im Bereich Kundenservice liefert die Lösung die größten Einsparpotentiale. Wir sind gespannt welche Anwendungsfälle in Zukunft per Textnachricht entstehen werden.

 

SelinaAutorin: Selina Groß
Innovationsmanagerin bei der K.LAB
Betriebswirtin und immer den neusten Technologietrends auf der Spur. Expertin für Geschäftsmodellentwicklung aus Kundenperspektive.

Kommentar verfassen