Geschäftsmodell des Monats März: GridX

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Die Steuerungseinheit gridBox ermöglicht eine Vernetzung auf zwei Ebenen: als ganzheitliches Energiemanagementsystem für alle Anlagen (Verbraucher und Erzeuger) lokal beim Endkunden und als Schnittstelle in eine erneuerbare Strom-Community „vor dem Zähler“. Unabhängig vom Hersteller, kann die Box verschiedene Erzeugungsanlagen (beispielsweise Photovoltaik-Anlagen oder Wärmepumpen), Batteriespeicher und Ladesäulen digitalisieren und einbinden. Die gridBox analysiert in Echtzeit den Energiebedarf von Haushalten und bringt mit dem Überschussstrom auf der gridX-Plattform Angebot und Bedarf zusammen. Zusätzlich bietet das Start-Up eine App an, die den Stromverbrauch disaggregiert und somit Stromfresser identifiziert.

gridx logo

Was sagt das Innovationsbarometer?

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Wer sind die Zielgruppen?

Das Start-Up fokussiert primär Endkunden. Das Angebot des Unternehmens richtet sich mit der gridBox an Betreiber von PV-Anlagen mit und ohne Batteriespeicher und Wärmepumpen. Stromverbraucher ohne eigene Erzeugungsanlagen können gleichermaßen Teil der Community werden. Bedingungen für die Community

  • ein Stromliefervertrag von gridX,
  • ein intelligenter Stromzähler (Hardware von Discovergy), falls gridX auch als Messstellenbetreiber auftritt.

Was ist die Vision?

„Wir gestalten gemeinsam die Energiewende. Wir verbinden lokale Stromerzeuger mit Verbrauchern“ – und das mit maximalem Komfort für den dezentralen Erzeuger. Hierfür agiert gridX „vor“ und „hinter dem Zähler“. Hinter dem Zähler, also im Haus des Stromerzeugers bietet das Unternehmen eine Plattform, die in der Lage ist alle relevanten Anlagen (Erzeuger, Speicher und Verbraucher) in einem Energiemanagementsystem leicht bedienbar darzustellen. Das heißt für den Kunden eine Optimierung aller Energiekomponenten verschiedener Hersteller in einer Applikation mit dem Fokus auf ein unkompliziertes Nutzererlebnis. Vor dem Zähler vernetzen Sie den dezentralen Erzeuger in einer Community mit Stromkunden, die Ökostrom beziehen möchten. Ansatz des Start-Ups ist es schnell als kundenfreundliche Marke in den Augen der Zielgruppe zu erscheinen, um auf lange Sicht über weitere Mehrwertdienste Zusatzerlöse zu generieren.

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Schemenhafte Darstellung der Vernetzung durch die GridBox

Wie sieht das Geschäftsmodell aus?

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Impulse zum Geschäftsmodell in Form des Business Model Canvas

In welchem Stadium befindet sich das Geschäftsmodell?

Das Aachener Start-Up wurde 2016 gegründet und durch das EXIST Gründerstipendium des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi) gefördert. 22 Mitarbeiter verwirklichen aktuell die Vision des Unternehmens und das auf zwei Standorte verteilt: Aachen und München. Seit August 2017 sind die Produkte des Unternehmens am Markt und es wurden mehrere Hundert gridBoxen verkauft. Der Einzelpreis je Box beläuft sich auf 499 €. Dies stellt auch den größten Teil der Erlöse für das Start-Up dar. Bisher hat das junge Unternehmen von namenhaften Investoren wie bspw. Viessmann Kapital eingesammelt und sucht aktuell vorerst nach keiner weiteren Finanzierung.

Wer sind die Wettbewerber?

Sowohl die Idee des Energiemanagements vor Ort, als auch die Vernetzung einzelner Prosumer untereinander und mit Verbrauchern ist keine neue. So bieten Unternehmen wie z.B. der Leipziger Energieversorger und Batteriehersteller Senec oder das Unternehmen Sonnen schon seit einigen Jahren Cloudlösungen für Solarstrom an. Auch im Start-Up-Umfeld gibt es viele Unternehmen, die einen ähnlichen Ansatz verfolgen, wie z.B. beegy oder Kiwigrid. Zusätzlich sind die Energiekonzerne Deutschlands Teil des Trends, so bietet bspw. EnBW einen Community-Ansatz für PV-Anlagenbetreiber mit dem Produkt solar+. Im Gegensatz zu den Wettbewerbern bietet gridX nach eigenen Angaben als einziges Unternehmen die Herstellerunabhängigkeit (über 150 verschiedene Anlagenhersteller sind kompatibel), so ließe sich bspw. auch die moderne Power Wall von Tesla über die gridBox mit der Community vernetzen.

Welchen Nutzen bietet eine Kooperation? Was sind spezifische Anwendungsfälle?

Zwar fokussiert gridX aktuell das Ziel die Endkundenmarke voranzutreiben, aber es schließt Partnerschaften mit EVUs und OEMs nicht aus. Eine klassische White-Label-Lösung gibt es aktuell noch nicht. An Vertriebspartnerschaften und gemeinsamen Projekten ist das Unternehmen interessiert und nennen auch mögliche spezifische Anwendungsfälle bei der Kooperation mit EVUs:

  • Ein Branding der Hardware von gridX,
  • Gemeinsame Projekte im Bereich der Steuerung von PV-Anlagen, Batteriespeichern und Ladesäulen, oder
  • Die Ausarbeitung von gemeinsamen Quartiersprojekten für die Wohnungswirtschaft.

Laut Geschäftsführer David Balensiefen wird gridX noch in der ersten Hälfte des Jahres 2018 ein europaweites Referenzprojekt bekannt geben mit der Tragweite von ungefähr 1 Mio. Kunden.

Was sind die Herausforderungen?

Die zentrale Herausforderung für das Start-Up wird es sein, auf eine kritische Masse an Endkunden zu kommen und als Marke am Endkundenmarkt wahrgenommen zu werden. Zusätzlich gilt es sich von den zahlreichen Wettbewerbern abzuheben und das Vertrauen der Zielgruppe zu gewinnen. Erfolgskonzept kann hier die Maximierung des Endkundennutzens sein – aktuell kann der Kunde bspw. den bestehenden Stromliefervertrag per WhatsApp kündigen lassen – allerdings muss das Unternehmen sein Produkt auch stets mit Blick auf die sich ändernden Anforderungen der dezentralen Erzeuger weiterentwickeln können. Außerdem muss sich das Unternehmen mit der Aufgabe auseinandersetzen, das komplex wirkende Thema „integriertes Energiemanagement“ wirklich Nutzerfreundlich umzusetzen.

Einschätzung K.GROUP / K.LAB:

Die K.Group ist der Meinung, dass Geschäftsmodelle wie das von GridX ihren Platz am Markt haben und von der Zielgruppe nachgefragt werden. Eine Kooperation mit dem Start-Up stellt eine Möglichkeit dar, dieser Nachfrage zu begegnen. GridX kann auch als Konkurrenz für die EVUs wahrgenommen werden, von dem digitalen und nutzerfreundlichen Ansatz kann die etablierte Energiebranche auf jeden Fall lernen. EVUs können starke Partnerschaften mit lokalen Solarteuren und Installateuren von Batteriespeichern schließen, die oft skeptisch gegenüber Cloud-Produkten für Photovoltaikspeichern stehen, da einige bestehende Marktangebote intransparent wirken. In Kooperation eigene digitale Lösungen voranzutreiben stellt für EVU gleichermaßen einen gangbaren Weg dar. Fakt ist, dass ein integriertes Energiemanagement vor und nach dem Zähler ein Geschäftsfeld ist, in dem es am Markt noch unbefriedigte Potentiale gibt.

Autor: Adam Wolf

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